Hawes & Curtis Hemden im Test – Sind britische Hemden ihr Geld wert?

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Kurz-Fazit: Hawes & Curtis ist für mich das beste Preis-Leistungs-Hemd in dieser Klasse — bessere Passform als Charles Tyrwhitt, solide Verarbeitung, dazu eine echte Geschichte. Kein Vergleich zu einem 200-€-Hemd, muss es aber auch nicht sein.

Eine Marke, die einst Cary Grant und Frank Sinatra eingekleidet hat — hat sie heute noch dieselbe Qualität? Ich hab mir vier Hemden von Hawes & Curtis bestellt und sage dir ehrlich und ungefiltert, ob sie ihr Geld wert sind.

Woher Hawes & Curtis kommt

1913 eröffnen die beiden Schneider Ralph Hawes und George Frederick "Freddie" Curtis ein kleines Geschäft an der Piccadilly Arcade, Ecke Jermyn Street in London — der berühmtesten Schneiderstraße der Welt. Schon 1922 bekommen sie ihren ersten königlichen Bestellschein vom Prince of Wales, dem späteren Duke of Windsor.

Genau hier beginnt eine Geschichte, die die Modewelt bis heute prägt: Der Duke of Windsor trug einen ungewöhnlich großen Krawattenknoten — den Windsor-Knoten. Hawes & Curtis entwickelt dafür eine breitere Krawatteneinlage und einen extra breiten Spread-Kragen, der den Knoten perfekt einrahmt. Bis 1957 sammelt die Marke mehrere königliche Bestellscheine, dazu Kunden wie Cary Grant, Frank Sinatra, Clark Gable und Lord Mountbatten, der der Marke sogar persönlich schrieb: "Ich möchte Ihnen für all Ihre Mühe bei meiner Einkleidung danken. Ich bin begeistert vom Ergebnis."

1985 verliert Hawes & Curtis ihren letzten königlichen Bestellschein, danach kämpft die Marke jahrelang ums Überleben. 2002 dann der Tiefpunkt und Neustart zugleich: Geschäftsmann Touker Suleyman kauft die komplette Marke — für einen einzigen Pfund. Er baut sie neu auf: heute fast 30 Stores in Großbritannien, dazu Standorte wie Köln und Onlinepräsenz in über 50 Ländern.

Verarbeitung & Qualität

  • Stoff: 100 % Baumwoll-Popeline, der klassische Jermyn-Street-Stoff — glatt, seidig, langlebig
  • Produktion: heute primär in der TĂĽrkei, nicht mehr in London — bei stimmiger Qualität fĂĽr mich kein Problem
  • Kragenstäbchen: herausnehmbar (Kunststoff, aber stabil) — lassen sich gegen Messing-Varianten tauschen
  • Knöpfe: kein echtes Perlmutt, aber saubere Verarbeitung
  • Stichdichte: 5 Stiche pro Zentimeter — Premium liegt bei ca. 10, aber fĂĽr die Preisklasse völlig in Ordnung

Ein Detail, das mir wichtig ist: Das Hemd fühlt sich beim ersten Anziehen etwas steifer an, wird aber nach ein bis zwei Waschgängen deutlich weicher — ganz normale Veredlung, keine Sorge. Insgesamt: Popeline-Stoff, herausnehmbare Kragenstäbchen, saubere Nähte — für den Preis mehr als solide.

Passform

Getestet habe ich Slim Fit mit Manschettenknöpfen. Was mir sofort positiv auffiel: Die Armlöcher sitzen relativ hoch. Klingt erst nach Einengung, ist aber genau das Gegenteil — du kannst den Arm heben, ohne dass das Hemd aus dem Hosenbund rutscht oder du die Schulter spürst. Ein echtes Qualitätsmerkmal, an dem günstigere Hemden oft sparen.

Die Schulter sitzt gut, könnte für meinen Geschmack 1–2 cm höher sein — aber das ist der schwierigste Punkt bei jedem Hemd, weil man ihn im Gegensatz zur Ärmellänge nicht einfach nachschneidern kann. Der Kragen hat einen schönen, natürlichen Roll — strukturiert, aber nie steif, typisch Jermyn Street.

Zum Vergleich: Bei Charles Tyrwhitt wirkten die Hemden bei mir fast ballonartig und passten nicht wirklich gut. Hawes & Curtis gewinnt diesen Vergleich für mich klar. Referenz: Ich bin 1,73 m, ca. 70 kg, Kragengröße 38, Ärmellänge 84 cm — mit dieser Passform bin ich vollkommen zufrieden.

Mein Fazit

Pro:

  • Hochsitzende Armlöcher — spĂĽrbar mehr Bewegungsfreiheit im Alltag
  • Gute Schulterpassform, schöner strukturierter Kragen
  • Solider, langlebiger Popeline-Stoff
  • GroĂźe Auswahl an Passformen und Manschettenknopf-Optionen
  • Bessere Passform als Charles Tyrwhitt bei ähnlichem Preis

Contra:

  • Stichdichte nur Mittelfeld (5/cm), kein Premium-Niveau
  • Produktion nicht mehr in England, kein echtes Perlmutt
  • Kein Ersatz fĂĽr ein echtes 200-€-Hemd — muss es aber auch nicht sein

Ist das noch das Hemd von 1922, das der Duke of Windsor trug? Ganz klar nein — andere Produktion, andere Eigentümer seit 2002. Muss es aber auch nicht sein. Für mich ist Hawes & Curtis eines der besten Preis-Leistungs-Hemden in dieser Kategorie: gut gemacht, gut sitzend, mit einer Geschichte, die kaum eine andere Marke in dieser Preisklasse vorweisen kann. Klare Empfehlung.

Wie schneidet Eton im Vergleich ab? Das kannst du hier nachlesen: Eton Hemden im Test.

Hast du selbst Erfahrung mit Hawes & Curtis? Schreib's mir in die Kommentare.

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